Tag 1: Daran muss man sich gewoehnen

Wir sind angekommen. Es ist ein nicht so heisser Tag (30° Celsius Wettervorhersage, 38° laut iPhone und gefühlt 39° und mehr laut unserer Sensoren), es ist kein Smog, dabei liegt die Sichtweite etwas unter 200 m – ist wohl nur “diesig”. Soweit haben sich unsere Erwartungen erfüllt.

Anders, als man bei einer 21 Millionenstadt annehmen sollte, fühlt sich Beijing allerdings bisher an wie ein Dorf – natürlich mit längeren Wegen als (sagen wir mal) in Jena. Beweis 1: Hier haben wir Axel nach seinem Vortrag irgendwo am “Osteingang des Himmelstempel” völlig problemlos und nicht etwa nur durch Rauchzeichen entdeckt. Beweis 2: Wir haben einen alten Freund von Axel und mir zufällig hier angetroffen und heute gleich sehr turbulent zu neunt und ganz spontan, per “WeChat” verabredet, zu Abend gegessen.(WeChat verwendet man hier statt WhatsApp, es kann tatsächlich eine Menge mehr als der Konkurrent). Wir haben herzlich mit den Promotionsstudenten gescherzt und am Ende noch “eine beliebte Eisdiele” aufgesucht.

Kann sein, dass wir einfach nur außergewöhnlich nett einquartiert sind und deswegen einen prima Start hatten. Unsere Strasse ist eine alte “Hutong” (konkret: Shijia Hutong), wo sich hinter den Mauern die Höfe der Anwohner auftun. Sie wurden noch vor der Revolution gebaut, heute gibt es kaum mehr welche, sie wichen den neuen Hochhäusern. Unsere ist eine der wenigen noch sehr ursprünglich erhaltenen, wobei “ursprünglich” sich weit erstreckt, nämlich von Luxusquartier (erkennt man am fetten BMW vor der grossen roten Tür) und solchen mit unter den Familien geteilten Bad (erkennt man neben der Gemeinschaftstoilette daran, dass fuer das Auto in der Enge gar kein Platz wäre). Hier sitzen die alten Damen noch mit dem Fächer vor der Tür im Schatten und schwatzen. Hier rollen die Scooter (lautlose Elektroteile) an den Minilädchen vorbei, in den es alles zu geben scheint, man sich aber fragt, wie der Besitzer das jemals findet? Die Strasse ist schmal und kühl und allein deswegen schon einladend. Hinter so einer Tür versteckt sich auch unser Hotel (samt Tiefgarage). Gerade sind wir von der Eisdiele aus dem ebenfalls nur wenige Meter entfernten Luxus-Mall-Gebiet nach Hause flaniert und haben wie die anderen die kühle Abendluft genossen. Im Innenhof trinken wir gerade noch unser Bier auf unseren ersten sehr schönen und fröhlichen Tag.

Kann schon auch sein, dass Beijing doch weniger einschüchternd ist, als ich befürchtet hatte.

Anke

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About Axel Kleidon

I am a scientist working at the Max-Planck-Institute for Biogeochemistry in Jena, Germany.
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